Einsatz mit Therapiebegleithund Pauli im Seniorenwohnheim

Pauli ist ein 2,5-jähriger Labrador Retriever der im September 2017 seine Prüfung zum staatlich geprüften Therapiebegleithund erfolgreich ablegte und zwar zusammen mit mir. Wir haben darauf 2 Jahre lang hintrainiert. Unbewusst bereits seit er bei mir und meinem Freund eingezogen ist. Es war nie unser auserkorenes Ziel aus Pauli einen Therapiebegleithund zu machen. Es hat sich so ergeben. Sein Wesen hat es uns auch echt einfach gemacht. Er ist sehr friedfertig, entspannt und folgsam. Dadurch war es für mich auch bis auf die zeitliche Komponente kein großer Aufwand Pauli auszubilden. Er hat sich so toll gemacht und lernte beinahe von selbst. Vielleicht empfinde ich das aber auch nur so, weil ich die Zeit und das Training unheimlich kurzweilig empfunden habe. Ich trainiere unheimlich gern mit Pauli und bringe ihm gerne Verhaltensweisen bei und genieße die Zeit mit ihm. Für mich ist das eine Selbstverständlichkeit als Hundebesitzer, dass ich meinen Hund artgerecht und vor allem charaktergerecht auszulasten habe.

Der typische Ablauf unseres Einsatzes

Seit geraumer Zeit besuchen Pauli und ich ein Seniorenwohnheim bei uns in der Umgebung. Für eine Stunde ist es Paulis und meine Aufgabe die Teilnehmer zu motivieren mitzumachen und Freude an der Arbeit mit Pauli zu haben. Bevor es losgeht wird Pauli natürlich wie jeden Morgen gefüttert. Ich sehe keinen Sinn darin, dass er kein Futter bekommen sollte, weil er im Einsatz dann viele Leckerlies abstaubt. Danach gehen wir eine kleine Runde spazieren, sodass er seine Geschäfte erledigen kann. Dann packe ich meinen Einsatzrucksack zusammen. Bereite meine Leckerlies und die Leckerlies für die Teilnehmer vor – ich habe immer die besten Leckerlies bei mir :). Wenn ihr Fragen habt was ich alles in meinem Einsatzrucksack packe, mache ich dazu gerne einen gesonderten Beitrag!

Begrüßungsritual

Wenn Pauli und ich im Seniorenwohnheim ankommen breite ich seine Decke aus und leine ihn ab. Er darf sich nun in aller Ruhe den Raum ansehen. Natrülich achte ich darauf, dass keine Tabletten oder ähnliches am Boden liegt, dass er fressen könnte. Ich packe dann meinen Rucksack aus und lege mir meine Utensilien für die heutige Stunde zusammen. Nach und nach kommen auch immer mehr Teilnehmer in den Raum. Die meisten kommen im Rollstuhl oder mit Rollator. Hier achte ich darauf, dass Pauli nicht zu nahe kommt bis die Personen sitzen. Die Verletzungsgefahr für Hund und Mensch ist hierbei zu groß. Die Pfoten könnten unter die Räder des Rollstuhls/Rollator kommen oder Pauli könnte den Mensch hinterm Rollator unabsichtlich aus dem Gleichgewicht bringen und zu Sturz bringen. Das muss unbedingt vermieden werden. Ich helfe den Personen dann zu ihrem Sitzplatz und entferne den Rollaor und stelle die Bremsen fest. Beim Rollstuhl achte ich ebenfalls darauf, dass die Bremsen fest sind bevor Pauli Kontakt aufnimmt. Dann beginnt die Zeit der freien Interaktion. Ich begrüße jeden Teilnehmer persönlich und unterhalte mich kurz. Ich möchte etwas über die Persone erfahren und die heutige Verfassung einschätzen können. Pauli darf derweil frei im Raum herumlaufen und selbst entscheiden zu wem er hallo sagen möchte. Er bleibt dabei aber immer unter meiner Beobachtung. Im Anschluss daran stelle ich oder ein Teilnehmer eine Schüssel Wasser für Pauli bereit. Ich versuche die Teilnehmer so viel es geht in alle Vorgänge einzubinden.

Geführte Interaktion

Nach dem Begrüßungsritual kommen wir zur geführten Interaktion. Hierfür plane ich zwischen 30-40 Minuten ein. Die Begrüßung dauert ca. 10-15 Minuten. Je nachdem wie viele Teilnehmer sind und wie redselig diese sind :). Aber diese Zeit zur Begrüßung nehme ich mir gerne. Im Anschluss daran frage ich in die Runde, ob sich jemand erinnert was wir das letzte Mal gemacht haben. Nicht um die Leute zu prüfen sondern, um herauszufinden, ob es eine Übung gab die besonders im Gedächtnis geblieben ist. Das könnte bedeuten, dass diese Übung besonders viel oder aber auch wenig Spaß gemacht hat. Das merkt man dann aber auch schnell. Pauli als Labrador Retriever apportiert für sein Leben gerne. Somit habe ich vom Futterdummy über Spielzeuge viele Dinge zum apportieren mit. Erstmal lass ich die Teilnehmer den Gegenstand erfühlen und erraten was wir damit machen. Dann darf die erste Person das Dummy werfen und Pauli bringt es zurück. Dann wird ein Leckerlie herausgenommen und Pauli gegeben. Die nächste Person ist an der Reihe. Je nachdem wie flüssig diese Übung funktioniert und wie viele Teilnehmer in der Stunde sind machen wir das 1-2 Runden lang. Danach verstecken wir alle gemeinsam das Dummy im Raum und Pauli muss es suchen und jemanden bringen. Er darf es sich hier selbst aussuchen. Diese Person entscheidet dann wo es als nächstes versteckt wird. Manchmal machen wir auch Übungen mit einem Holzbrett wo Leckerlies zu verstecken sind und und und. Ich mache im Einsatz vorwiegend  Apoortier- und Suchspiele. Diese machen Pauli besonders viel Spaß. Nach 30-40 Minuten beginnen wir dann auch schon mit unserem Abschlussritual.

Abschlussritual

Zum Abschluss und zur Entspannung dürfen die Teilnehmer Pauli bürsten. Dafür habe ich eine Auswahl an Bürsten in meinem Rucksack. Die Teilnehmer dürfen sich dann eine aussuchen. Massagestriegel, Handschuh etc. Ich nehme hierfür ein kleines Stocker auf das sich Pauli mit den Vorderpfoten stellen muss. Das erleichtert es den Teilnehmern seinen Rücken zu erreichen und Pauli kann in dieser Postion auch wesentlich länger verharren. Dieses Ritual dient dazu alle Teilnehmer inkl. Pauli und mir wieder etwas runterzuholen. Die geführte Interaktion ist meistens doch recht energiegeladen für alle Seiten. Nach einer Runde bürsten bekommt Pauli ein spezielles Spielzeug. Mit dem darf er dann durch den Raum laufen und damit spielen. Er wirft es, beutelt es oder bringt es Personen die es werfen sollen. Währenddessen verräume ich unsere Utensilien und packe meinen Rucksack zusammen. Am Ende verabschieden Pauli und ich uns bei allen und wir verkünden den nächsten Termin.

Danach ist es aber für uns nicht erledigt. Pauli und ich gehen danach eine Runde spazieren. Im Einsatz trinkt Pauli oft sehr viel und dadurch muss er dann natürlich Gassi gehen. Wir gehen dann ganz locker eine Runde zusammen und er darf seine Anspannung loslassen. Ich vermeide nach dem Einsatz bewusst Hundekontakt zu anderen. Pauli braucht dann seine Zeit für sich und würde im Spiel mit anderen Hunden zu sehr aufdrehen. Aber das ist bestimmt von Hund zu Hund verschieden. Er möchte dann einfach etwas laufen und schnuppern. Danach geht es nach Hause und Pauli hat für den Rest des Tages keine Trainingseinheit mehr. Am Nachmittag geht es dann aber noch einmal eine Runde spazieren – maximal 30-40 Minuten.

An alle meine Therapiehundekollegen – wie gestaltet ihr eure Einsätze? Ich freue mich sehr über einen Erfahrungsaustausch und Ideen für die geführte Interaktion 🙂

Schönen Start ins Wochenende – morgen sind Pauli und ich wieder im Einsatz

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